Blockaden

Hatte ich mal erwähnt, ich hätte so etwas wie eine Schreibblockade niemals? Nun ja, das stimmt. Wenn ich mit einem Text anfange, fällt mir fast immer gleich irgendwas ein. Meist kann man daraus auch etwas machen oder ich komme dadurch auf andere, bessere Ideen.

Nur manchmal schiebe ich leider das Anfangen endlos vor mir her. Der Januar ist auch wirklich die schlimmste Zeit im Jahr, weil ich so viel mehr Zeit habe und mich wegen jeder Sekunde, die ich nicht an meinen Zielen arbeite, einigermaßen schuldig fühle. Ich verschwende gerade wieder so viel Zeit mit Erholung. Und der Frühjahrsputz fing bei mir schon letztes Jahr an. Damit kann man sich gut ablenken, aber es hilft auch, Ordnung zu schaffen. Hoffe ich jedenfalls. Neue, geplante Projekt hatte ich über den Jahreswechsel völlig vergessen.

Außerdem wird mir jedes Jahr erneut bewusst, wie wenig ich geschafft habe und wie langsam ich mit allem voran komme und auch meine Angewohnheit, alles vor mir her zu schieben und nicht mal Bücher ganz durchzulesen, nervt mich. Und dass ich immer alles gleich wieder vergesse, ohne daraus zu lernen oder es bewusst anwenden zu können. Schon lange hatte ich mir vorgenommen, alles, was ich lerne, zu notieren, aber das tue ich nicht und wenn ich es tun würde, würde ich es mir hinterher auch nie mehr durchlesen. Meine Notizen sind einfach nicht besonders übersichtlich.

Heute habe ich etwas gelesen auf “Alles rund ums schreiben” von Richard Norden. http://blog.richardnorden.de/die-zwei-wichtigsten-fragen-die-sie-zum-planen-einer-spannenden-romanhandlung-brauchen/

Da geht es um zwei wichtige Fragen beim entwickeln eines neuen Romaninhaltes:

Was wäre wenn?
und
was könnte schief gehen?

Ich überlege gerade, ob mir das bei meinem aktuellen Projekt helfen könnte. Die Handlung wird ohnehin immer komplizierter, ohne dass ich das alles aufgeschrieben hätte, was ich im Moment geplant habe oder wüsste, wie ich es genau umsetzen will. Immerhin kann man es inzwischen als aktuelles Projekt bezeichnen. Nach 4 Jahren hab ich endlich angefangen, die erste Geschichte ernsthaft zu überarbeiten. Ich denke viel darüber nach, komme praktisch aber nicht weiter. Und immer, wenn ich etwas geschrieben habe, um eine meiner Ideen umzusetzen, fällt mir etwas neues ein, was alles geschriebene wieder überarbeitungswürdig macht.

Vielleicht scheue ich mich ja davor, ganz in das Projekt einzutauchen? Könnte das sein? Ich glaube schon. Ich will Distanz wahren und nicht zu viel Herzblut investieren. Aber vielleicht muss man das. Vielleicht muss man die Darsteller gut kennen und sich auch darum bemühen, dass der Bösewicht wie ein realer Mensch rüber kommt, auch wenn es eine unangenehme Arbeit ist. Vielleicht muss man Emotionen investieren, damit der Leser diese dann beim lesen auch fühlt. Schließlich muss der Leser sich bei einem Roman über längere Zeit auf die Darsteller einlassen und konzentrieren können und das Interesse aufrecht halten.

Immerhin habe ich ein wenig in der Kindl-Version des Plot whisperers gelesen und dort stand, dass man im ersten Viertel keine Rückblenden verwenden soll und nicht zu viel von der Geschichte der Person verraten soll. Der Leser muss sich erst auf die Hauptperson einlassen und sie mögen, bevor man zu den seelischen Abgründen übergehen kann, die vielleicht schwer zu verdauen sind. Da war ich gerade dabei das falsch zu machen, schätze ich. Im Moment weiß ich auch noch gar nicht, warum ich bestimmte Elemente der Persönlichkeit der Hauptperson in der Geschichte haben will. Jedenfalls, je mehr man weiß, desto schwerer wird es, etwas zu schreiben, womit man zufrieden sein kann.

Vielleicht muss man auch die Nebenfiguren genau kennen, selbst wenn sie nur ein paar wichtige Szenen übernehmen. Vielleicht muss man sich auch den Konflikten in der Geschichte zuwenden (was könnte schief gehen?) und mutiger sein, was die Handlungsabläufe betrifft. Ich muss eindeutig mehr Zeit und Kraft investieren, wenn aus der Geschichte etwas werden soll und ich muss den zweiten Teil ja auch gleich mit planen. Vielleicht wäre es sogar spannender, mit den zweiten Teil anzufangen? Dann könnte man im Lauf der Geschichte den ersten Teil als Rückblende einfügen, um die Handlungen der Personen mit der Vergangenheit zu erklären. Ich habe mich da noch nicht entschieden.

Mein Problem ist jedenfalls nicht, dass die Geschichte originell und einzigartig werden soll. Soweit bin ich leider noch nicht. Ich bin noch dort, wo man sich bemüht, überhaupt eine logische Handlung hinzukriegen, die interessant und Konfliktbeladen genug ist, um eine echte Geschichte zu sein. Bei jedem Schritt nach vorne, tuen sich mehr Unsicherheiten auf, es stellen sich mehr und mehr Fragen.

Und ich habe es auch nicht geschafft, jeden Tag zu schreiben. Im Gegenteil. Ich denke zwar weiterhin über mein Projekt nach, schreibe aber nur, wenn ich es muss, also für meinen Fernkurs. Wenigstens habe ich jetzt angefangen, die Geschichte zu planen. Ich sollte mir für alle meine Notizen zu der Geschichte ein extra-Notizbuch zulegen. Ansonsten sollte ich einfach das tun, was ich immer tue, wenn ich feststecke: Mehr lesen.