Sortieren, neu anfangen oder weiter schreiben?

Also, ich weiß, dass ich schreiben kann. Aber eine Handlung stricken, damit hab ich Probleme. Keine Probleme, die andere nicht auch gehabt hätten, bei ihrem ersten Werk (nicht der erste Versuch, nicht die erste Veröffentlichung). Und keine Probleme, die man nicht lösen könnte.

Ich habe die Wahl:

Erstens: Sortieren.
Alles noch mal durchlesen. Aus allen Versionen und angefangenen Kapiteln die guten Szenen herausschreiben, ausdrucken und neu sortieren, ähnliche Szenen vergleichen und entscheiden, was rein soll und was nicht, dann schauen, was noch fehlt. Entscheiden, was in den ersten Teil gehört und diesen dann überarbeiten und veröffentlichen. Vorteil (wenn ich fertig werde) wäre, dass ich dann schon was fertig habe. Nachteil, dass ich im Grunde überarbeite, ohne einen kompletten Plan der Handlung zu haben, oder eine vollständige in sich schlüssige Rohfassung.

Zweitens: Neu anfangen.
Ich fange mit einer neuen Rohfassung noch mal ganz von vorne an. Mehrere solcher Versuche hab ich ja schon hinter mir. Obwohl manche Teile der Handlung immer noch im Dunkeln liegen, weiß ich jetzt schon mehr, als vor der ersten Rohfassung. Vorteil ist, dass ich diesmal vielleicht eine Rohfassung bekommen, die man einfach überarbeiten kann, weil nicht alles falsch ist und diese Rohfassung näher an meinen Vorstellungen ist. Nachteil ist aber, dass es ungewiss ist, ob ich im Mittelteil und am Schluss nicht die gleichen Probleme habe, wie am Anfang.

Drittens: Weiter schreiben.
Ich konzentriere mich auf meine Visionen, die ich von dem Text habe, plane die Handlung besser, notiere Dinge, bei denen ich mir sicher bin, dass sie nun so sein sollen, und schreibe die schwierigen Szenen zuerst. Das, wovon ich eine Vision habe, schreibe ich. Die Szene, wo Katharina in der Zwischenwelt ihre Familie trifft und dann herausfindet, dass alles nur Illusion ist, kann ich in der neuen Fassung wieder verwenden. Das weiß ich aus dem Kopf und brauch das nicht zu sortieren. Das wäre vielleicht nur wieder stupide zeitaufwendige Arbeit gewesen, die nirgendwohin führt, außer direkt zur Straße der Prokrastination.

Ich habe letztens wieder angefangen, bestimmte Hefte von Fernstudien zu lesen, die bei mir rumliegen. Ich hab über hundert Schreibratgeber. Ich muss mir das Wissen, dass ich jeweils brauche, da ganz gezielt raussuchen. Zeitsparend. Wenn ich ein Problem beim Schreiben habe, so muss ich mir dafür die Lösung suchen. Alles muss zielgerichteter werden. Ich muss formulieren können, was mich stört, warum es nicht weiter geht, wo es hakt.

Ich benutze gerne meine Schmerzen als Ausrede, aber Ablenkung hilft gegen Schmerzen. Zumindest werden sie einem dann nicht so bewusst. Es würde mir aber schon helfen, wenn ich zumindest meine Kurzgeschichten so hinkriegen würde, dass ich sie wieder veröffentlichen kann. Diesmal mit einer echten Handlung, passend für Kurzgeschichten und vielleicht länger. 50-80 Seiten für meine besten Ideen aus den Kurzgeschichten. Und dann probeweise schon veröffentlichen bei Amazon. Wenn ich schon etwas (Gutes) veröffentlicht habe, dann fühle ich mich wohler und ich sehe auch, wie es läuft. Vielleicht krieg ich sogar konstruktive Kritik. 50-80 Seiten schaffe ich in ein paar Tagen.

Viele der Geschichten sind schrecklich nichtssagend. Aber aus einigen könnte man was machen. Die Handlung ist einfach, wie es für ein Anfängerbuch sein muss. Gerade die Sciencefiction-Ideen wären gut. Vielleicht mache ich das. Vielleicht gibt mir das auch den Elan zurück, den ich für meine große Geschichte brauche. Ja, guter Plan.

Bei meinem Artikel über alternative Medizin bin ich auch etwas weiter gekommen, obwohl die Fragestellung sich geändert hat. Ich hab mich auch wieder mehr bewegt und Kollagen gemacht. Ich muss wieder schreiben, wenn mir was einfällt. Das hat mir geholfen. Denn wenn man das, was einem hilft, nicht mehr macht, dann sucht man sich unbewusst den Schmerz und die Krankheit aus. Und das will ich nicht.Nie mehr. Nie mehr. Nie mehr.

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