Verzeihen oder verbittern?

Ich glaube, es geht bergauf. Gestern habe ich mich gefragt, ob ich die Zeiten im Krankenhaus vielleicht vermisse, weil ich ja dazu neige, in letzter Zeit alles gleich so aufzubauschen. Luft im Darm? Vielleicht ist es wieder eine Raumforderung. Ich wollte schon die Tasche packen, weil ich sicher war, dass ich wieder operiert werden müsste. Dabei ist es ganz einfach, wenn man sich nur Ursache und Wirkung ansieht. Ich habs übertrieben mit den Nahrungsergänzungen, und ich hab die Konsequenzen zu spüren bekommen. So einfach ist das. Und jetzt hab ich eben ne Weile mit Reizdarm zu kämpfen. Das einzige, was ich vermisse ist, dass die Leute mir sagen, dass alles in Ordnung ist.

Ich hab Gestern einen Film gesehen, der über zwei Stunden ging. „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“.

Da geht es um einen Mann, der als Kind seinen eigenen schlagenden Vater mit Rattengift vergiftet hat (Alkoholiker). Als er erwachsen ist, wird seine jüngere Tochter entführt und getötet, während er gerade seine anderen Kinder vorm ertrinken rettet (seinen Sohn, die Tochter hatte am Boot gewackelt). Er verbittert in den Jahren danach.

Dann fällt er auf den Kopf und findet einen Brief im Postkasten. Eine Einladung in die Hütte, in der seine Tochter getötet wurde. Er fährt hin und erlebt ein Wochenende mit Gott. Dort lernt er, wie man verzeiht und dass die Menschen keine Richter über die anderen Menschen sein können. Und warum Gott alle seine Kinder liebt, selbst wenn sie schreckliche Dinge tun. Er trifft seine Tochter und seinen Vater wieder und ist versöhnt mit dem Leben. Als er aufwacht, liegt er im Krankenhaus.

Das war kein normaler Krimi, wo am Ende der Mord aufgeklärt und der Täter verhaftet wird. Das Opfer wird nicht gerettet. Man erfährt nicht, wer der Täter ist und ob er noch lebt. Oder wann er es noch mal tun wird. Man erfährt nur, wo die Leiche liegt, aber es geht dann niemand mehr dahin, um zu sehen, ob es tatsächlich stimmt, nachdem klar ist, dass er das alles im Koma geträumt hat. Das fand ich unlogisch, aber was solls.

In dem Film ging es um was anderes. Es ging darum, zu verzeihen, um nicht zu verbittern. Und das Gefühl kenne ich wirklich gut. Wenn ich einige meiner Sachen lese, die ich über meine Krebserfahrung geschrieben habe, dann kommt mir das auch ziemlich verbittert vor. So verbittert, dass man ein Warnhinweis drankleben müsste.

Ich frage mich, warum ich noch keine alte verbitterte Tante bin? Was hält mich am Leben? Und warum sind andere noch nicht verbittert, die mehr Körperteile verloren haben, mehr Schmerzen haben und mehrmals hintereinander Krebstherapie mit Chemo machen (mussten). Ja muss, denn eine Alternative gibt es ja angeblich nicht.

CBD, Boswellia und Löwenzahnwurzel zählen ja sowieso nicht, da sie zu Alternativmedizin gehören. Die Krankenkasse darf außerdem keine Nahrungsergänzungen bezahlen. Wohl aber unter bestimmten Umständen (mit Zusatzversicherung) so einen unbewiesenen Mist wie Globuli. Das versteh einer mal. Immuntherapie wirkt zwar, aber ist nicht für Patienten dritter Klasse. Die bekommen nur die normale Chemo aufgedrückt.

Und Onkolyse? Viren töten Krebs. Ob Corona Krebs töten kann? Dauert vielleicht noch 1-2 Jahre, bis man damit therapieren kann. Und kurz darauf, dass es besser wirken würde, wenn man noch Chemo oben drauf packt. Selbst wenn man eines Tages mit Viren Krebs vollständig in Form einer Erkältung bekämpfen könnte, Chemo wird es immer geben. Aber ich falle schon wieder metertief in die Verbitterung. Ich muss den Leuten verzeihen lernen, dass ihnen Kohle wichtiger ist, als die Gesundheit von Leuten, die sie zum großen Teil nicht mal persönlich kennen. Vielleicht würde ich genauso denken und handeln? Wer weiß?

Jedes Mal, wenn ich ansetze, etwas über alternative Medizin zu schreiben, klingen die Sachen nach einigen Sätzen sofort total verbittert. Das liegt nicht an mir, es liegt am System. Darüber kann man sich nur aufregen. Ich hab es aber auch schwer. Ich tue mir richtig selbst leid. Nein, Zuversicht fühlt sich viel besser an, als Verbitterung. Und Hoffnung fühlt sich besser an, als Panik und Angst.

Dann hab ich mich geärgert (wieder mal), dass ich so viele Schreibratgeber habe und sie im Moment einfach nicht lesen kann, weil meine Augen so schlecht sind. Vermutlich ist wieder Gift aus meinem Fettgewebe gespült worden. Ich versuche es mit Beta Carotin auszugleichen. Dann hab ich ein abo für Hörbücher abgeschlossen und mir ein 11 Stunden Ding über spannendes schreiben ausgesucht für den ersten Monat. Ich brauche also nur liegen und hören, mehr nicht. Und wenn ich dabei einschlafe, höre ich es mir eben später noch mal an. Das wird mich wohl nicht überfordern, oder?

Heute hab ich ne Pizza gegessen. Die Schonkost ist vorbei. Ich verhungere sonst noch. Dieses Hörbuch ist der Schlüssel zum Glück. Ich habe schon ein paar Gedanken gehabt, beim hören, wie ich das umsetzen könnte. Man muss immer ungelöste Konflikte haben. Daher ist es ja gut, dass ich so viele Handlungsstränge habe. Und: ein Geheimnis oder eine Fragestellung gleich im selben Kapitel wieder aufzulösen, das muss ich mir abgewöhnen. Aber das hab ich ja schon selbst erkannt.

Corona wütet draußen, während die ersten schon geimpft werden. Ob es die Ansteckung verhindert oder wie lange man immun ist danach, das ist noch gar nicht klar, aber die Leute fangen schon wieder an, sich sicherer zu fühlen. Und das bedeutet wohl, dass wir Corona noch lange haben werden. In Italien ist Impfstoff verschwunden. Man muss den Impfstoff getrennt aufbewahren, darf ihn nicht schütteln, weil er sonst die Wirkung verliert und muss ihn bei 70 Grad Minus oder so lagern. Vor dem Spritzen muss man die Komponenten erst mal anrühren, dann muss man innerhalb weniger Minuten spritzen, sonst vermutlich wieder wirkungslos. Man weiß nicht, ob es vor Ansteckung schützt und wie lange es immun macht.

Wer klaut sowas?

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